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Nas
"HipHop is dead"

(Def Jam / Universal)

Der Winter 2006/2007 wurde für Rapfans zu einem nicht enden wollenden Veterans Day. Verantwortlich dafür war das auch nicht mehr ganz junge Plattenlabel Def Jam Recordings, das in kurzen Abständen drei Rap-Ikonen der 90er Jahre mit neuen Alben ins Rennen schickte. Zum einen war da ein gewisser Shawn Carter, seines Zeichens CEO und Präsident von Def Jam, mit seinem Comeback-Album "Kingdom come". Zum anderen Staten Islands Tony Starks, auch bekannt als Ghostface Killah, mit seinem "Fishscale"-Nachfolger "More fish". Und schließlich Mister Nasir Jones, besser bekannt als Nas, mit seiner Abrechnung in Albumform: "HipHop is dead".

Nas spricht mit dem drastischen Albumtitel genau das aus, was immer wieder aus den Mündern all derer zu hören war, die durch sein erstes Album "Illmatic" in den frühen 90ern sozialisiert wurden. Und doch mimt er nicht die verdorrte Trauerweide. Nein, "HipHop is dead" hebt sich wie das satte Grün eines jungen Baumes von der langweiligen Eintönigkeit aktueller Major-Releases ab. Nas zeigt dem Stamm der HipHop-Community, wie es gelingen kann, neue Sprossen zu treiben, ohne die eigenen Wurzeln zu vergessen.

Das Album tritt die Tür mit dem gnadenlosen "Money over bullshit" ein, dessen harte Drums den Oldschool-Einfluss der gesamten Produktion ankündigen. Auf dem von seinem langjährigen Gefährten L.E.S. produzierten Representer gibt es von Nas die härtesten Ansagen der Platte zu hören: "Rule one? Cocksucker keep my name from your tongue. Rule two? I thought you knew don't fuck with god's son. Rule three? See, matter of fact I just wait. If you reach top five, then I may eat ya'll alive!"

Gut, das wäre erst mal klargestellt. Was dann beginnt, ist eine bildhafte Reise durch alle Jahreszeiten jener Subkultur, die diesen MC so sehr geprägt hat. Da wären das von Scott Storch luftig-leicht in Szene gesetzte "Carry on tradition", in dem Nas die kommende Generation auffordert, HipHops wahre Werte zu bewahren. Auf "Where are they now" betreibt Queensbridges bekanntester Sprössling ein ausführliches Name-Dropping all seiner Idole und Wegbegleiter, deren Stern längst verglüht ist - passender Weise über ein von Salaam Remi irre zerhacktes James-Brown-Sample. Auf "HipHop is dead", dem von will.i.am produzierten Titel-Track, legt er die tumorhaften Wucherungen des kränkelnden Rapgames unters lyrische Mikroskop. Und auf dem wunderschönen, ebenfalls vom Black-Eyed-Peas-Mastermind inszenierten "Can't forget about you" schwärmt der ehemalige Escobar von den guten alten Zeiten, als würde er von einer wunderschönen, verflossenen Geliebten erzählen.

Unterstützt wird Nas von einer illustren Schar von Gästen, die sich in der Regel gut in die Stimmung des Albums einfügen. Da wäre ein großartiger Jay-Z auf dem orchestralen "Black republicans", der die Größe dieses Zusammentreffens zweier Titanen schon im Intro auf den Punkt bringt: "I know you can feel the magic, baby!" Oder die aktuelle Wesküsten-Nummer eins The Game, der auf dem von Dre maßgeschneiderten "Hustlers" dem Bruder im Geiste von der Ostküste die Ehre erweist: "For my niggas it was too complex when Nas rhymed. I was the only Compton nigga with a New York state of mind." Lediglich ein eher durchschnittlicher Kanye West auf "Still dreaming" sowie ein irgendwie desorientiert wirkender Snoop auf "Play on playa" können die hohen Erwartungen nicht erfüllen.

"HipHop is dead" ist insgesamt ein sehr komplexes und lyrisch dichtes Nas-Album geworden. Kombiniert mit den teilweise etwas sperrigen (zum Beispiel auf "Who killed it"), teils sehr entspannten (etwa auf "Blunt ashes") Oldschool-Sounds ist es fraglich, ob es für Nasir Jones zu einem großen kommerziellen Erfolg werden wird. Wer bouncen will, ist hier definitiv falsch. "HipHop is dead" ist stattdessen ein Album, auf dem ein intellektueller Rädelsführer den Millionen anderen Soldaten, die unter der Flagge des großen Ganzen namens "HipHop" marschieren, ins Gewissen redet. Und das mit einer Intensität, der sich der geneigte Rapfan mit Anspruch auf keinen Fall entziehen kann.

David Berkowitz

Weitere Reviews von Nas:
Nas - "Stillmatic"
Nas - "God`s Son"


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