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USA for Africa
"We are the world..."

(BMG)

"Bitte gebt Eure Egos an der Tür ab. Was wir heute hier machen, ist größer als jeder Einzelne von uns." Mit diesen Worten begrüßte Produzent Quincy Jones die Stars, die das A&M-Studio in Los Angeles betraten. Es war ein historischer Montagabend, dieser 28. Januar 1985. 45 Sänger und Musiker, von Tina Turner bis Ray Charles, von Diana Ross bis Bruce Springsteen, von Bette Midler bis Stevie Wonder, waren zusammengekommen, um ein Lied aufzunehmen, dessen Erlös den Hungernden in Afrika zu Gute kommen sollte. Wie es zu der Aktion kam und was daraus wurde, zeigt eine Doppel-DVD zum 20. Geburtstag von "We are the world".

Die britischen Künstler hatten schon früher auf die Hunger-Katastrophe in Afrika reagiert. Im Herbst 1984 erschien unter dem Projektnamen "Band Aid" und unter der Ägide von Bob Geldof der Song "Do they know it's christmas?". Kurz vor Weihnachten waren die 20 Millionen Menschen, die vom Hungertod bedroht waren, auch Thema der US-Medien und brachten Sänger und Schauspieler Harry Belafonte, der sich schon lange für soziale Zwecke engagierte, auf die Idee, die schließlich in USA for Africa mündete. Der Projektname steht übrigens für "United support of artists for Africa". Belafonte holte den bekannten Musikmanager Ken Kragen ins Boot, der wiederum Quincy Jones begeistern konnte. Dieser bat Michael Jackson und Lionel Richie, gemeinsam einen Song zu schreiben. Zahlreiche Stars wurden kontaktiert und um Mitwirkung gebeten. Ein Problem war natürlich der richtige Termin. Dieser war gefunden mit dem besagten 28. Januar. An diesem Abend wurden in Los Angeles die American Music Awards vergeben und viele Sänger und Musiker würden daran teilnehmen. Im Anschluss an die Preisverleihung sollte das Lied aufgenommen werden.

Mit den Ereignissen dieser Nacht befasst sich der Schwerpunkt der ersten DVD. Kamerateams waren ebenfalls zugegen und filmten für eine Dokumentation, die unter dem Titel "We are the world - The story behind the song" im US-Fernsehen ausgestrahlt und von Schauspielerin Jane Fonda moderiert wurde. Sie lässt den Zuschauer miterleben, was sich bis morgens um 5.30 Uhr im Studio abspielte. Da der Film nur rund 55 Minuten lang ist, bietet die DVD diverse Bonus-Ausschnitte, die mehr Details der Aufnahmesession zeigen. Allein vier Stunden vergingen, bis der Refrain perfekt auf Tonband gebannt war. Bei aller Anspannung gab es auch lustige Momente. So hatte sich Cyndi Lauper dermaßen mit Schmuck behängt, dass dessen Klimpern auf dem Tonband zu hören und sie sich umständlich der Ketten und Ohrringe entledigen musste. Während der Refrain-Aufnahmen fing plötzlich Stevie Wonder an, Belafontes alten Hit "Bananaboat Song" zu singen und alle stimmten ein. Amüsant auch die Szene, in der Stevie Wonder Bob Dylan beibringt, wie er seinen Part singen sollte. Wonder klingt dabei mehr nach Dylan als Dylan selbst. Die erste DVD beschließt mit dem Video zum Song und einer Karaoke-Version.

Im Mittelpunkt der zweiten DVD steht eine weitere Dokumentation mit dem Titel "10th anniversary special - One song, many hands". Die Reportage fasst nochmal kurz die Entstehungsgeschichte des Songs zusammen und widmet sich dann den Ereignissen bei den ersten Hilfslieferungen, die USA for Africa im Juni 1985 nach Athiopien und Sudan schickte. Und sie zeigt, wie sich aus der Hilfe für Afrika eine Hilfe für die Hungernden, Armen und Obdachlosen in den USA entwickelte. Unter dem Dach von USA for Africa bildete sich die Aktion "Hands across America", die sich diesem totgeschwiegenen Thema widmete.

Zu den weiteren Inhalten der DVD gehören zusätzliche Ausschnitte aus den Aufnahmesessions, Clips der Grammy-Verleihung 1986, bei der "We are the world" zum besten Song und zur besten Platte des Jahres gewählt wurde, sowie der Ehrenpreis für Harry Belafonte bei den American Music Awards 1986. Wer den Song noch nicht oft genug gehört hat, kann sich schließlich noch den Auftritt beim "Live Aid"-Konzert im Juli 1986 anschauen, bei dem Patti LaBelle allen anderen relativ dreist die Schau stiehlt. Eine Fotogalerie sowie im Booklet der Nachdruck einer sehr interessanten Reportage des "Life"-Magazins über die Nacht des 28. auf den 29. Januar 1985, runden die Doppel-DVD ab, die eine Gesamtspieldauer von fast fünf Stunden hat.

Nun kann man darüber streiten, ob es ein zugebenermaßen kitschiges Lied wie "We are the world" verdient, mit einer Doppel-DVD gewürdigt zu werden. Doch der Zweck heiligt die Mittel. Das Lied schaffte es, innerhalb von sechs Jahren 60 Millionen Dollar einzuspielen, die für 400 Hilfsprojekte in 18 afrikanischen Ländern eingesetzt wurden. Und leider ist Hunger in Afrika und in Amerika weiterhin ein Thema. Deshalb gibt es die Organisation USA for Africa noch heute und sie erhält alle Erlöse aus dem Verkauf der DVD, um damit weiter helfen zu können.

Volker
         


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