Creaturen der Nacht "Akustische Exkursion 2" (Jubeko)
Die Creaturen der Nacht schlagen mit "Akustische Exkursion Teil 2" ihre persönliche Brücke zwischen 1999 und 2003. Als eine Reise in die Tiefe, eine Reise in die Zeit werden die 15 Stücke angepriesen, die hauptsächlich exklusiv und bislang unveröffentlicht sind. Dieses Release der Berliner folgt zeitlich nah auf das Solodebüt von MC Mirror, der Deutschland im Juni diesen Jahres bereits eine "Schocktherapie" verpasste. Das Wort "düster" beschreibt die 54 Minuten des Tonträgers wohl am besten. Kritische, oft pessimistische Texte werden von dunklen Stimmen auf Instrumentals vorgetragen, die die Apokalypse anzukündigen scheinen. Allerdings sind die düsteren Beats, die bis auf eine Ausnahme von Mirror produziert wurden, genauso durch eingängige Melodien gekennzeichnet, die sich tief in den Gehörgang eingraben. Dabei sind sie auch druckvoll und präsent genug, dass sie sich niemals von den harten Raps in den Hintergrund drängen lassen.
Inhaltlich bewegt sich das Spektrum der MCs zwischen durchdachtem Battlestuff, Schilderungen von Endzeit-Szenarien, harter Sozialkritik und natürlich auch der Verarbeitung von persönlichen Problemen oder der Rechtfertigung des eigenen Lebensstils. Auch wenn sich die Creaturen als Battle-MCs sehen, ist es ihnen - unabhängig vom Thema – offenbar wichtig, keine leeren Phrasen zu dreschen: "Mein Ziel ist es, dein Allgemeinwissen zu steigern und meines mitzuteilen und kistenweise Skills zu zeigen" (Mirror in "Mitternacht Spezial"). Als Features hat man befreundete Berliner Künstler wie Damion Davis von der Kaosloge ("Lass uns weitergehen", "Es ist Zeit"), MC Patrice ("Teufeltanz") oder Rhymez (von Rhymez & Prok, "Viel durchgemacht") eingeladen. Diese vier Tracks sind auch die interessantesten des Albums, da die Gäste angenehme Abwechslung ins Creaturen-Land bringen und die Titel besonders durch ihre relaxten Refrains in den Vordergrund stechen. Darüber hinaus gibt es einen Track von Mirror mit Abdel, der vor allem durch im Internet verbreitete Disstracks gegen Def Benski und Eko Fresh bekannt wurde.
Die "Akustische Exkursion Teil 2" ist auf keinen Fall etwas für Leute, die nur in sicheren, seichten Gewässern zur Dorfdisco waten und dort mit Pflaster auf der Backe zu Nelly tanzen. Unerschrockenen Tiefseetauchern und Liebhabern von düsteren Texten und ebenso düsteren Beats wird das Werk der Berliner wahrscheinlich einiges besser gefallen. Für leichte Abstriche sorgt der etwas gewöhnungsbedürftige Flow der Creaturen, der etwas abgehakt wirkt und daher stark Geschmackssache ist. Vertrieben wird das Tape über Jubeko, wo man sich auch ein Snippet herunterladen kann.
Verena
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