MC Mirror "Schocktherapie" (Beatkings Records)
"Wenn man glaubt, dass in Westberlin nur Fäkalrap herrscht, keiner mehr gut hinhört, da Berlin nur eine Schiene fährt, sag ich Euch: Ihr habt nichts begriffen. Kiddies, stärkt Euer Wissen, durch listen der Plattenkisten." Mit diesen Worten eröffnet Deckah seinen Part in "Schocktherapie", auf dem der Protagonist MC Mirror neun befreundete MCs präsentiert. MC Mirror – seines Zeichens Mitglied bei der Formation "Creaturen der Nacht" – legt hier ein komplett selbst produziertes Album vor, das er in typisch Berliner Manier auf Tape veröffentlicht.
Doch die Erscheinungsform ist auch fast das einzige, das man hier typisch Berlin nennen könnte. Denn wie man im eben schon angesprochenen Titeltrack nachhören kann, ist man mit dem schiefen Bild der Öffentlichkeit von Westberliner Rap sehr unzufrieden und fest entschlossen, dieses gerade zu rücken. Mit Feststellungen wie "Wer nichts zu sagen hat, hat den Krieg schon verloren" (Pillah-K) wird hier treffend auf Missstände hingewiesen und dem Ärger über unbeliebte Kollegen Luft gemacht. Jedoch werden keine Namen genannt, womit man sich bewusst nicht auf das Niveau der an den Pranger Gestellten begibt. Lyrisch präsentiert sich MC Mirror abwechslungsreich und für viele der insgesamt 15 Titel hat er sich für die Stimmung passende Gäste ins Boot geholt. So sind beispielsweise beim Battle-Track "Blutrot" Hecklah & Coch mit dabei, und das melancholische "Leben am Abgrund" bereichert Se-La mit ihrer gesungenen Hook.
Der thematische Bogen des Albums spannt sich vom apokalyptischen "Waterverse" ("Die Flut kommt…") bis hin zu "Abschied", in dem Mirror die Trennung von seiner langjährigen Freundin verarbeitet ("Du willst Freundschaft, ich will Liebe, doch ich scheiß auf Dich. Du kennst nur Deine Gefühle, meine scheinbar nicht. Du willst frei sein, ich will Beziehung. Du kennst mich einerseits gut, andererseits nicht."). Ein Highlight des 60-minütigen Albums stellt das Stück "Es ist Zeit" mit den Tempelrittern Damion Davis und DJ Pete dar. Über einen hypnotischen, düsteren Beat werfen die beiden MCs mit metaphorischen Kampfansagen gegen Szenen, mit denen sie tagtäglich konfrontiert werden, um sich. MC Mirror präsentiert auf dem Tape einen soliden Flow und verpasst durch geschicktes Abstecken des gerade behandelten Themas jedem Lied auch textlich einen guten Wiedererkennungswert.
Alles in allem haben wir es hier mit einer anständigen Produktion zu tun, die zwar weder ein qualitativ hochwertiges Majorprodukt oder die Überraschung des Jahres ist, aber auch außerhalb von Berlin Gehör finden sollte. Das Tape gibt es für 8 Euro inkljusive Versand über www.beatkings-records.de , wo es selbstverständlich auch Hörproben zum Antesten des Materials gibt.
Verena
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