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Looptroop Rockers
"Professional dreamers"

(Bad Taste Rec. / Soulfood)

(Die) Looptroop (Rockers) haben sich und ihren Sound kontinuierlich weiterentwickelt, was sie den ein oder anderen Fan unter den Hardcore-HipHoppern gekostet haben mag. Ihr neues Album "Professional dreamers" stellt die stringente Fortsetzung ihres Kurses gen Zukunft dar und hat dabei auch für Verbohrte den ein oder anderen "Clasico" zu bieten.

Als Konservativer hat man es mit den Looptroop Rockers wahrlich nicht leicht - eine Feststellung, die nicht nur auf politischer, sondern auch auf musikalischer Ebene getroffen werden darf. So hat die vierköpfige Crew aus dem schwedischen Vasteras die europäische Rap-Musik zu Beginn ihrer internationalen Karriere vor etwa einem Jahrzehnt geprägt wie kaum eine andere Band. Nur wenige andere Namen haben anno dazumal derart überzeugt und überzeugend HipHop verkörpert wie Promoe, CosMIC, Supreme und Embee. Mit den Jahren jedoch entwickelte sich die Band menschlich und musikalisch weiter, was sich unweigerlich auch in ihrer Musik niederschlug. Produzent Embee wurde nicht zuletzt durch die fortschreitende Internationalisierung des Künstlernetzwerks zusehends experimentierfreudiger, seine Beats wurden ambivalenter.

"Jedes Album ist wie eine Reaktion auf das Vorgängeralbum", lautet ein Zitat aus einem Interview. Das erklärt, wieso der Stil der Band wie ein Luftballon in immer neue, unvorhersagbare Richtungen fliegt, und es nicht jedem Musikliebhaber leicht fällt, den Entwicklungen der einst lieb gewonnenen Künstler zu folgen. Viele der HipHop-Hörer von früher können dem ("poppigeren"?) Sound von heute nicht mehr viel abgewinnen. Manche, die bislang treu geblieben sind, haben wohl mit gemischten Gefühlen auf das Release-Datum gewartet, unsicher, was da wohl diesmal kommen mag. Viele jedoch werden "Professional dreamers" mit der unbändigen Neugier und Vorfreude eines kindlichen Überraschungseisammlers herbeigesehnt haben. Nicht wenige davon kennen die Looptroop-Songs der ersten Jahre gar nicht mehr…

Der Teaser-Track "On repeat" ließ erahnen, wohin die Reise gehen könnte: kompromisslos krachende, staubtrockene Drums im strengen Akkord an Samples von atmosphärisch knarrenden Türen. Der mit jedem Hören eindrucksvoller wirkende Song verkörpert Looptroop at its' best: eine messerscharfe, kritische Botschaft verpackt in handwerklich einwandfrei geschliffene Texte, präzise auf einen anspruchsvollen, aber brachialen Musikteppich genagelt. Rumms! Es folgte die Single "Professional dreamers": eine Single, wie sie singleliger nicht sein konnte. Elektroflächen mit frühsommerlichem Flair, endorphingeschwängerte Raps über die ganz großen, guten Dinge im Leben und ein Refrain von ohrwürmlicher Penetranz ergaben eine Komposition, die das Publikum zu spalten verstand wie manch Plagiatsminister. Nun also das Album…

Es mutet an wie ein Wechselbad: Das Intro "Don't wanna wake up" stellt die Verbindung zwischen Vergangenheit und naher Zukunft der Band her. Was ein echter Fan ist, dem läuft bei den Soundfetzen alter Classics ein wohliger Schauer übers Gemüt, während das grundlegende Klanggewand nahtlos in die elektroideren Sphären von "Professional dreamers" fließt. Der erste brandneue Klang aus "Any day" lässt dann stutzen: Der aalglatte und staubfreie Clubbeat überrascht - die gelungene Performance nicht (die Rückkehr des dritten MCs CosMiC tut der Band merklich gut), was ebenso für "Do" gilt, dem in Sachen Klang, Vocals und Arrangement progressivsten Stück der LP. Gnucci Bananas eindringliche Stimme, der effektive Tempowechsel und das sehr präsente Tonwahlspiel prägen das hektische Werk maßgeblich. Die gelungene Antithese in Form des sich elegant entlang schlängelnden Lowriders "This music sounds better at night" wurde passenderweise vorangestellt.

Das sehr getragene "Sweep me away" und die Looptroop-typische Variation "Blow me away" im Anschluss bilden nicht nur in Sachen BPM die Talsohle des Albums - der Gesang zündet mäßig und der schleppende Sound lassen die emotionale Intention nur bedingt keimen. Supremes Solo vor der wesentlich energetischeren Beatschwester gestaltet sich da schon wirkungsvoller. Aber auch hier greift wieder das Konzept der Gegensätze, denn nun läuft das Quartett zur Höchstform auf und haut mit "In the Air" und "el Clasico" zwei Bretter raus, die zweifelsohne ALLE Looptroop-Fans begeistern werden. Hier die modernste aller Graff-Anthems, die schon jetzt wie das allabendliche Sommer-Gute-Nachtgebet der weltweiten Writer-Gemeinde im Geiste nachhallt - dort ein wahrlich klassischer Representer, der in Mark und Bein fährt und in den Gliedmaßen die HipHop-urtypischsten Tanzbewegungen provoziert.

Anschließend lässt Embee seine "Magie" durch ein großartiges und unverkennbar von ihm kreierten Instrumental spielen, ehe er auf den letzten Metern noch einmal in die melancholischen Klänge entführt. Im glücksgeschwängerten "Magic" brilliert Chords mit authentisch-emotionalem Gesang, während das liebenswürdige Akkordeon stark an der Grenze des charmanten Pops kratzt. Die lyrisch dargestellte Emotionalität wird sicher ihre Für- und Widersprecher finden, geht aber als klassisches Handwerkszeug der Crew durch. "Last nights early mornings" stellt ein beispielloses Stück verbalisierter innerlicher Krisenbewältigung dar und erinnert musikalisch an den typischen LT-Sound von "The struggle continues".

Der krönende Abschluss von "Professional dreamers" ist die Ballade "Joseph". Die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Songs aus Hörerperspektive zeugt von ansprechender Reflexion des Künstlerdaseins und verfehlt durch die biografischen Texte und die berührende, kindliche Stimme Lisa Ekdahls keinesfalls ihre emotionale Wirkung. Fazit: Ich zähle heute Nacht vorm Einschlafen vier von fünf professionellen Schäfchen.

Pete
         


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