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R. Kelly
"Love letter"

(Jive / Sony)

Das Foto soll wohl an alte Cover von Stevie Wonder oder Ray Charles erinnern, doch musikalisch ist "Love letter" weit weniger Retro als das Cover vermuten lässt. Den Willen zu einem ganzen Album, das den Geist der 60er, den Geist von Motown und Stax atmet, lässt Mr. Kelly vermissen. Dennoch ist "Love letter" deutlich besser als das vor rund einem Jahr veröffentlichte "Untitled" - wobei das allerdings auch keine große Kunst ist. Jener Silberling hatte lediglich einen Audio-Porno nach dem anderen serviert, die dazu größtenteils auch noch musikalisch völlig austauschbar waren. In dieser Hinsicht ist "Love letter" mal wieder ein untypisches R. Kelly-Album: Der Sticker mit dem Hinweis auf böse Texte fehlt. Stattdessen geht es um "Love", die Liebe, und weil sie so schön ist, tragen gleich sieben der 15 Tracks dieses Wort im Titel.

Dass Kelly, wie es die Plattenfirma ausdrückt, "den Legenden seiner Kindheit und Jugend wie Sam Cooke und Marvin Gaye seinen ganz persönlichen Tribut" zollt, lässt sich maximal an drei der 15 Stücke festmachen. Da wäre zum einen die Single "When a woman loves". Und auch wenn die Queen of Soul, Aretha Franklin, der Nummer jüngst im amerikanischen Fernsehen ihren Segen gab, so bleibt es doch eine langatmige Geschichte mit Bombast-Intro, übertriebenem Knödel-Gesang und synthetischem Pseudo-Soul-Sound. R. Kelly verließ sich bei der Frage der Musiker wieder auf seinen Musical Director Donnie Lyle, der Gitarre und Bass spielt, und einige Keyboarder und Programmierer. Richtige Streicher und Bläser? Fehlanzeige. Wer Retro sein will, muss auch mit richtigen Musikern arbeiten. Nichts klingt 2011 altmodischer als künstliche Bläser von der Festplatte. Unter dem gleichen akustischen Problemen leidet auch "Radio message". Einzig guter Retro-Track ist das Duett "Love is" mit einer überragenden K. Michelle. Hier ist die Instrumentierung zwar auch nicht echter und besser, aber die Nummer ist stilistisch eine Eins-zu-eins-Kopie der legendären Motown-Duette von Marvin Gaye mit Tammi Terrell.

Ansonsten besinnt sich der 44-Jährige seiner eigenen Vergangenheit und serviert eine Reihe sanft und unaufdringlich groovender Midtempo-Songs, von denen einige wie das Titelstück, "Number one hit" oder "Just can't get enough" Erinnerungswert besitzen, während andere so schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwinden, wie sie gekommen sind. "Not feelin' the love", "Lost in your love" oder "Just like that" sind dafür Beispiele.

Noch langsamer wird es gegen Ende des Albums mit "Music must be a lady", das ziellos versucht, an die Stimmung auf Marvin Gayes Klassiker-Album "Let's get it on" anzuschließen. Besser gelingt hingegen "How do I tell her", das als bombastische Ballade die Problematik erarbeitet, wie man am schmerzlosesten der Bald-Ex sagt, dass es vorbei ist. Dennoch hätte ich mir auch in diesem Fall ein echtes Orchester hinter Mr. Kelly gewünscht, anstatt dass die Programmierer ihre seelenlosen Soundteppiche abrufen. Einziger Stilbruch zwischen Mittellangsam und Langsam ist "Taxi cab", das mit seinen Percussions und kreischender Gitarre ein Latino-Rock-Feeling verbreitet und auch auf die Habenseite gehört.

Unterm Strich bleibt ein R. Kelly-Album voller Eigenkompositionen, das nicht über Durchschnitt hinauskommt. Aber wie gesagt, es ist eine Steigerung gegenüber dem Vorgänger. Und wenn nach oben noch Luft ist, dann kann man vielleicht hoffen, dass sich das Multitalent irgendwann doch traut, wie Raphael Saadiq ein richtiges Retro-Album zu machen, oder einfach nur ein durchgängig gutes, modernes Album ohne seine langweiligen Singsang-Clubtracks.

Volker

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