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Nosliw
"Heiß & Laut (Remixed by SoulForce)"

(Rootdown Records / Soulfood)

Selbstbewusstsein - davon müssen SoulForce so viel haben, dass es ihnen aus den Ohren rauskommt. Denn eine Schüssel Kolleg's Mutig zum Frühstück oder ein Nickerchen auf einem Supermann-Heft reichen nicht, wenn man sich daran macht, das beste nationale Reggae-Album des Jahres 2009 zu remixen. Genau dazu kürten die Leser des Magazins "Riddim" nämlich Nosliws dritten Streich "Heiß & Laut". Gut, warum sollten Fizzle und Fat Fabi auch unter Minderwertigkeitskomplexen leiden? In den vergangenen fünf Jahren hat sich das Duo zu einer der ersten Adressen im Mixtape- und Remix-Sektor für Reggae, Dancehall, HipHop und Mash Up gemausert. Produktionen aus ihrer Mixtape-Reihe "Remix Conference 1-3" fanden den Weg in die Playlisten der englischen Radiosender "1 Xtra" und "BBC Radio One", die Juice (Platz 15 "Bestes Mixtape weltweit") und die Riddim ("Remix-CD des Jahres") sparten nicht mit Anerkennung. Ihr Bootleg-Mix "Jay Z @ Studio One" bescherte ihnen außerdem respektable Aufmerksamkeit in Übersee. Dazu kamen Remixe für Gentleman und Martin Jondo, außerdem arbeiteten SoulForce mit Größen wie Ward 21, Tippa Irie, Defari oder Black Milk zusammen.

Die Jungs aus Krefeld haben ganze Arbeit geleistet. Vom Original ist, mit Ausnahme der Lyrics natürlich, wenig bis überhaupt nichts übrig geblieben. Das Ergebnis: sehr minimalistisch. Obwohl das fast schon ein Euphemismus ist. Denn es scheint stellenweise so, als sei es die Prämisse gewesen, bis auf Drums und Bässe und hier und da ein paar Synthesizer möglichst wenige Sounds beziehungsweise Instrumente einzusetzen. Überhaupt klingt das Remix-Album sehr elektronisch, schunkelnde Roots-Reggae-Riddims sucht man auf den 46 Minuten erwartungsgemäß vergebens.

Das funktioniert stellenweise auch sehr gut. "Pramm Pramm" schiebt sich mit prägnantem Bass und autoritären Drums aggressiver in den Vordergrund als Sarah Dingens im RTL-Dschungelcamp. "Action" ist eine Club-Nummer, die dank knarzender Synthies und noch konsequenter geschraubten Uptempo-Drums noch ein Stück mehr elektrisiert, als es das Original ohnehin schon getan hat. "Wass ged aab" wird durch die Synthie-Streicher zur opulentesten Nummer dieser Remix-Geschichte, bei der man den Laustärkeregler einfach bis zum Anschlag aufdrehen muss. Gleiches gilt für den Titeltrack "Heiß & Laut" mit seinem unbeschwert hüpfenden Flöten-Sample.

Aber wie gesagt: Es funktioniert nur stellenweise. Aus "Unsere Angst ist deren Business", mit seinem simplen, aber effektiven HipHop-Beat eines der besten Stücke auf "Heiß & Laut", ist eine dröge, farblose Nummer geworden. Gerade mal einen Bass und ein paar Bongos haben SoulForce unter den Gesang gelegt. Für Nosliw reicht das - aber Olli Banjo wirkt hier deplatzierter als ein Pitbull im Streichelzoo. Mal ganz abgesehen davon, dass die bedrohliche, verschwörerische Stimmung völlig im Eimer ist. Das hektisch zappelnde, mit Soca-Elementen angereicherte "Yeah Yeah Yeah Yeah" stresst ungemein, ähnlich wie das wie unter Stromschlägen zuckende "Eyau".

Die SoulForce-Remixe geben Nosliw die Gelegenheit, sich auf Albumlänge von einer komplett anderen Seite zu zeigen - tanzbarer, clubbiger, minimalistischer, elektronischer. Die Jungs aus Krefeld verstehen ihr Handwerk, keine Frage. Dancehall-Fans wird das freuen. Trotzdem: Das Album als "Wahnsinn" zu apostrophieren, wie es im Intro heißt, ist ein Stück zu hoch gegriffen. "Es spaltet die Gesellschaft auf ungeahnte Art und Weise" - das trifft schon eher zu. Denn auch wenn der Neu-Berliner mit "Heiß & Laut" vor knapp zwei Jahren den Startschuss für eine Nosliw-Dancehall-Ära gegeben hat, klingt das Remix-Album stellenweise einen Tick zu kalt, zu kühl, zu hart. Da fehlen die Wärme, die Melodien, die Nosliws Longplayer bislang ausgezeichnet haben. Teka, bitte übernehmen Sie wieder...

Christian

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