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Prinz Pi
"Rebell ohne Grund"

(Keine Liebe Records / Groove Attack)

"Welcher deiner Freunde macht drei Alben in ´nem halben Jahr?" Das fragte Prinz Pi schon 2005 auf "Zeit ist Geld". Okay, okay - ganz so viele sind es dann auch bei ihm nicht, doch es ist schon beeindruckend, mit welch hoher Frequenz der Prinz, der mit bürgerlichem Namen Friedrich Kautz heißt, mit neuem Material auf sich aufmerksam macht. Wer allerdings glaubt, dieser ständige Output ginge zu Lasten der Qualität, wird mit dem neuen Opus "Rebell ohne Grund" eines Besseren belehrt - wieder einmal.

Es ist sein zweites Album nach dem Major-Ausflug "Neopunk", im Promo-Booklet spricht der Berliner von seinem persönlichen "Sgt. Pepper" (dem legendären Album der Beatles) und einem "Drahtseilakt zwischen der Öffnung gegenüber einem universalen Thema (Liebe, Anm. d. Red.) und der Kredibilitätswahrung in der Szene." Schon nach kurzem Durchskippen kann man sich als Hörer sicher sein: Dieser Pi kann verdammt gut balancieren. Netz und doppelten Boden bekommt der sympathische Berliner von seinem alten Kumpel Biztram, der für "Rebell ohne Grund" tief in der Beatkiste gekramt hat und einen abwechslungsreichen Klangteppich für die gewohnt wortwitzigen, geistreichen und humorvollen Texte des Prinzen gewebt hat. Vom "Neopunk" ist nicht viel übrig geblieben, nur hier und da schimmern die elektronischen Einflüsse noch durch, etwa beim Jump'n'Run-Beat von "Generation Porno", der Sound erinnert ansonsten eher an frühere Pi-Tage, ohne dabei von Gestern zu sein.

Apropos gestern: Treffsichere Punchlines ist man vom Prinzen ja ebenso gewohnt wie gefühlsintensive und persönliche Texte, aber auf einigen Tracks schafft der Rebell es, in noch schwindelerregenderer Höhe zu balancieren. "Du bist", die erste Single-Auskopplung der LP, handelt von der Verzweiflung, in die einen Gefühle stürzen können, dem ewigen Zwiespalt zwischen Kopf und Herz, dem Wissen, dass der Andere einem nicht gut tut, und dem unerbittlichen Verlangen danach, trotzdem mit ihm zusammen zu sein. Der Track geht tief unter die Haut - mehr als "Deine Augen lassen Dinge ihre Farbe verlieren" muss man nicht sagen.

Wer jetzt befürchtet, "Rebell ohne Grund" wäre ein melancholisches und deprimierendes Herz-Schmerz-Album, der kann beruhigt sein: Bereits auf der Zehn-Track-Promo wird deutlich, dass die CD sich dem Thema "Liebe" sehr vielseitig nähert. Die "Königin von Kreuzberg" beispielsweise beschreibt auf einem rockigen Gitarren-Beat ebendiese als linkes Rebellen-Punk-Girl, "Der neue iGod" ist eine extrem starke Gute-Laune-Hymne geworden. Und nicht nur die Liebe zwischen Mann und Frau findet Erwähnung; so beschreibt "Drei ? für Deutschland" die Liebe einer Mutter und Ehefrau zu ihren Söhnen und ihrem Mann im Dienst der Armee. Eine Geschichte, die tragisch endet. Genial auch eine Line Prinz Pis vom sein Casanova-Dasein analysierendes "etc.", dort lässt er in einer Hommage an Jay-Zs "99 Problems (but a bitch ain't one)" hören, er habe 99 Probleme - und ALLE seien Frauen.

"Wunderkind" ist ein Representer im Pi-Style, der ohne die üblichen Floskeln auskommt, auch wenn der "irre Studentenrapper" in "Deutschlands Dr. Octagon" vielleicht nochmal über den Genitiv hätte nachdenken können ("Es ist Gott seine Welt, doch es ist deine Version"). Die Line des Albums - oder zumindest der Promo - findet sich definitiv auf dem Track "Eifer & Sucht" (das Thema dürfte nicht schwer erraten zu sein): "All dieser Mist mit Weibern - warum steht auf meinem Dach kein Bitchableiter?" Bäm!!!

Und wo wir schon beim Thema Frauen sind, darf "Laura" nicht fehlen. Der wohl persönlichste Track des Albums erzählt die bewegende (und auf wahren Fakten beruhende) Geschichte einer Ex-Freundin und von deren exzessiven Drogenkonsum. Das hört sich dann wie folgt an: "Als wir uns kennenlernten, warst du vier Jahre älter - als wir uns trennten acht, und die Stadt ein paar Grade kälter." Ein erschütterndes Ende inklusive...

Der Drahtseilakt, den Prinz Pi auf "Rebell ohne Grund" vollführt, gelingt ohne Frage. Wer außer Pi sollte auch sonst in der Lage zu sein, sich einem so heiklen Thema wie der Liebe mit der nötigen Glaubwürdigkeit im Rapbiz zu nähern und ihr sogar ein ganzes Album zu widmen, ohne sich ständig zu wiederholen oder in Klischees zu verfallen? Seine Kombination von Rapmusik mit anspruchsvollen Texten und eloquenter Sprache sucht seinesgleichen. Egal, ob es einen Grund für ihn gibt, Rebell zu sein, oder nicht: Nach diesem Album kann man nur hoffen, dass Pi weiter rebelliert.

Thorsten
         


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