News
 Reviews
 Interviews
 Features
 Output
 Forum
 Newsletter 
   
  Deutsch: Singles - EPs - Alben - Tapes - Compilations & DVDs - reingehört
US/Fr/UK/...: Singles - Alben - Compilations & DVDs - Vinylcheck

Suchen

K.I.Z. - Urlaub fürs Gehirn

Casper - XOXO

Raekwon - Shaolin vs. Wu-Tang

Looptroop Rockers - Professional dreamers

James Blake - James Blake

R. Kelly - Love letter

Nosliw - Heiß & Laut (Remixed by SoulForce)

Redman - Reggie

Prinz Pi - Rebell ohne Grund

Quincy Jones - Q: Soul Bossa Nostra

Michael Jackson - Michael

 


Reflection Eternal
"Revolutions per Minute"

(Asylum Records / Warner)

Mit Zügen ist das so eine Sache. In der Regel sind sie hoffnungslos überfüllt und treffen zum Leidwesen der Fahrgäste meistens verspätet an ihrem Zielort ein. Als Reflection Eternal zur Jahrhundertwende ihren "Train of Thought" in Form von schwarzen Plastikscheiben auf die Strecke schickten, stand ziemlich schnell fest, dass diesen Zug weder rote Streckensignale noch die Notbremse würde stoppen können. Die kongeniale Fusion aus lyrisch anspruchsvollen Texten eines Talib Kewli gepaart mit den erstklassigen, souligen Beats eines DJ Hi-Tek hatten ein Album entstehen lassen, das zu recht zum Klassiker avancierte. Es folgten mehrere Solo- und Produzenten-Alben, bis das langerwartete Follow-Up mit dem viel versprechenden Titel "Revolutions per Minute" in Angriff genommen wurde.

Zehn Jahre nach ihrem Erstlingswerk melden sich Reflection Eternal jetzt zurück. Natürlich kommt da die Frage auf, ob das einstündige "Revolutions per Minute" ebenfalls das Zeug zum Klassiker hat. Halten Talib Kweli und DJ Hi-Tek dem Druck stand oder scheitern sie, wie viele Künstler vor ihnen, an der übertrieben hohen Erwartungshaltung ihrer Fans?

Glaubt man dem Intro, dann sollten alle Wünsche der Hörer in Erfüllung gehen. "May all your dreams come true" - Talib Kweli zeigt auf "City playgrounds", wie einfach das geht. Wäre Kweli der Rattenfänger von Hameln, dann wäre sein Flow vermutlich seine Flöte und seine Hörer die Ratten, die sich von seiner gekonnt in Szene gesetzten Wortakrobatik verzaubern lassen.

Wen wundert es da, wenn ich mich bereits nach wenigen Minuten dabei ertappe und den Chorus von "Back again" lauthals mitgröle: "Yeah, we're back again, you can like rap again, you can say that again! " Verdammt richtig, Herr Kweli. So macht Rap 2010 endlich wieder Spaß! Denn bei Reflection Eternal geht es eben nicht um textlichen Einheitsbrei, wie die größte Knarre, die meisten Flittchen oder die fürs Video geleaste, diamantenbesetzte Rolex. Nein, hier werden innovative Beats mit gesellschaftskritischen Themen angereichert, bis auch dem letzten Gangster das Gepose in Pimpvideos zu dumm geworden ist. "Strangers" feat. Bun B ist so ein Track. Selten klang ein Rocky-Sample so frisch, selten ein Bass so schön geschoben.

Dass man bei anderen Rappern oftmals die Liebe und Hingabe zur eigenen Kultur vermisst, fällt einem spätestens beim herausragenden "In this world" wie Schuppen von den Augen. Auch in diesem Fall stimmt einfach alles.

Etwas ruhiger geht es hingegen bei "Got work" zu, bevor mit "Midnight hour" die erste Uptempo-Nummer des Albums durch die Boxen kracht, mit der ich mich allerdings nur schwer anfreunden kann. Zwar ist die musikalische Umsetzung durchaus gelungen und verdient für ihr unkonventionelles Dixieband-Gewand auch ein dickes Lob. Allerdings kann mich weder Estelles markerschütternder Gesang noch der eher zweitklassig gesungenen Chorus begeistern: "When I come home, unplug the phone, turn out the lights" trifft da den Nagel leider ziemlich auf den Kopf. Das locker-leichte "Lifting off" lässt diesen vermeintlichen Ausrutscher jedoch schnell vergessen.

Auf "In the red" geht Talib Kweli anschließend mit dem Musikgeschäft und seinen Schattenseiten hart ins Gericht. Eine Abrechnung nicht nur mit dem heuchlerischen Umgang mit dem Leben und Sterben von Michael Jackson, was Zeilen wie "Shame how our heroes is broke, we call 'em stars, that's because when they falling on earth they fallin' hard" verdeutlichen. Und es bleibt weiter kritisch.

Während Öl weiterhin in den Golf von Mexiko strömt, haben Reflection Eternal mit "Ballad of the black gold" vermutlich den Soundtrack zur größten Umweltkatastrophe seit Menschengedenken im Gepäck - was so sicher nicht geplant war. Mit unglaublich einprägsamen Bildern schildert Talib Kweli die dunklen Machenschaften der Öl-Industrie und ihrer politischen Schoßhunde. Für mich bisher mit Abstand einer der besten Songs des Jahres.

Doch auch "Just begun" muss sich nicht verstecken. Angereichert mit Gästen wie Mos Def, J. Cole und Jay Electronica, wird hier ein echtes Flowfeuerwerk über einen extrem smoothen Hi-Tek-Beat abgebrannt. Anschließend präsentiert uns Kweli eine hübsche kleine Anekdote zum Thema "Long hot summer". Das TwoStep-angehauchte "Get loose" stampft, als ob es kein Morgen gäbe, und lädt zum ausgelassenen Feiern in gemütlicher Clubatmosphäre ein. Weiter geht's mit wummernden Bässen auf "So good" und immer noch erstklassigen Lyrics auf "Ends" feat. Bilal. "My life" lässt "Revolutions per Minute" schließlich sanft ausklingen.

Mit "Revolutions per Minute" haben sich Talib Kweli und DJ Hi-Tek eindrucksvoll zurückgemeldet. Fans können beruhigt sein. Noch immer steht Reflection Eternal für frischen, innovativen Sound und herausragende Raps mit viel Tiefgang. Das Gesamtpaket stimmt. "Revolutions per Minute" hat das Zeug, erneut zu einem Klassiker zu werden. Für 2010 lege ich mich bereits fest: "Revolutions per Minute" bekommt einen Platz unter meinen Top 5 Alben in diesem Jahr.

Thomas
         


Content & Layout © 2000-2006 by allesreal.de // Impressum