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Eminem
"Relapse"

(Interscope / Universal)

Eines vorweg: Ich war nie ein großer Eminem-Fan. Natürlich waren das schöne Momente, in denen Slim Shady alle Musik-Awards dominierte, seinen blanken Arsch präsentierte und im prüden Amerika mal richtig auf die Pauke schlug. Nicht zu vergessen, dass plötzlich ein weißer Rapper in der bis dato doch eher von afro-amerikanischen Akteuren regierten Raplandschaft für Unruhen sorgte und eine ganze Reihe MCs in die Schranken wies, was Flow und Inhalt anging. Aber irgendwie war mir das alles zu aufgesetzt, zu kalkuliert und ein Stück weit auch zu exhibitionistisch. Klar, andere Rapper haben auch intime Momente auf ihren Platten. Bei allem Respekt, den ich vor Eminem habe, schwang bei mir dennoch immer ein negativer Unterton mit, der das Ganze als für etwas zu pathetisch in Szene gesetzt befand.

Und Eminem wäre nicht Eminem, wenn das alles nicht auch bei "Relapse", seinem sechsten Studioalbum, so wäre. Bereits im Vorfeld gab es keinen noch so kleinen Meldungsschnipsel über das Album, der nicht auf die mittlerweile überwundene Drogensucht des Rapstars anspielte. Somit ist es wohl kaum verwunderlich, dass auch das Album selbst weniger mit Produzenten-Credits oder unfassbaren Kollaborationen, sondern vielmehr mit der Tablettenabhängigkeit von Marshall Bruce Mathers beworben wird. "Relapse", der Rückfall, kokettiert ganz bewusst mit den wohl schlimmsten Jahren in Eminems Leben.

Das fängt schon bei der Verpackung an. Artwork, Inlay und die Werbekampagnen erinnern ganz bewusst an Krankenscheine und Einweisungsformale. Die renommierten Musikfachzeitschriften des Landes erhielten etwa ganze Pillenpackungen in die Redaktionen geschickt. Durchdachte Marketingstrategie at its best - und nicht zuletzt formt ein Haufen von Medikamenten auf dem Cover Eminems Kopf. Und da tritt dann wieder all das in Kraft, was ich zu Beginn schon beschrieben habe: Eminem kehrt sein Privatleben und den Leidensweg der vergangenen Monate mehr als drastisch, fast schon parodistisch, nach außen. Natürlich ist das eine Form, mit seinen Problemen umzugehen. Eine andere wäre, das Ganze still und heimlich hinter verschlossenen Türen mit sich selbst auszumachen.

Eminem hat den zweiten Weg gewählt. Und vielleicht ist seine Tablettensucht auch nur eine logische Konsequenz der ständigen Präsenz in der Öffentlichkeit und dem damit verbundenen Druck. Nichtsdestotrotz ist "Relapse" ein gutes Album und Eminem nicht zu Unrecht einer der besten Rapper, den unsere HipHop-Kultur je hervor gebracht hat. Die über 650.000 Kopien in der ersten Woche sprechen da, wie bei jedem seiner Releases, eine deutliche Sprache. So, wie es Eminem Album nach Album macht. Jahr für Jahr. Skandal um Skandal. Aber was rede ich denn: Es wird ja gekauft.

Jan

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