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Neues - Archiv

DEICHKIND


Was habt ihr eigentlich in den vergangenen zwei Jahren getrieben? Habt ihr nur auf Hamburgs Playa rumgehangen und den Mädels hinterher geschaut?

Philipp
Wir sind jetzt 2,5 Jahre nach Album-Release. Im Mai 2000 haben wir unser erstes Album veröffentlicht, und da sind wir natürlich erst einmal ein knappes Jahr durch die Gegend gefahren. Dann haben wir ein Studio gesucht, mussten das erst einmal zusammen bauen und uns wieder ein bisschen zusammen finden. Dann haben wir das zweite Album "Noch fünf Minuten Mutti" gemacht, was dann auch ungefähr noch ein Jahr gedauert hat.

Neben Features mit Nico Suave oder Ole hat man nach "Bitte ziehen Sie durch" nicht mehr viel von euch gehört. Was waren die Gründe dafür?

Philipp
Ja, Buddy war bei Nico Suave mit auf dem Album drauf, und Malte und ich haben etwas mit Ole gemacht.

Buddy
Das war noch in der Endphase von "Bitte ziehen Sie durch". Da sind wir noch mal in die Studios gegangen und da ist das parallel entstanden. Danach mussten wir uns wieder zusammen finden, weil innerhalb von vier Wochen ein ganzes Jahr an uns vorbeigelaufen ist. Dann mussten wir alle erst mal Wohnungen suchen, uns wieder settlen. Dann kam das mit den Studios: Räume suchen und Geräte bestellen. Das hat bestimmt ein Jahr gedauert, und ein dreiviertel Jahr haben wir jetzt an dem Album gearbeitet.

Ihr habt ja eben beim Auftritt schon gesagt, dass die Beats jetzt noch mehr bumsen. Habt ihr bei der Produktion extra darauf geachtet, dass das ganze live noch druckvoller rüberkommt? Außerdem scheint ihr jetzt auch verstärkt auf Synthies zu setzen.

Buddy
Ich bitte dich, davor haben sie auch schon gebumst und sind abgegangen... Wir machen auf jeden Fall mittlerweile verschiedene Soundquellen klar und versuchen, jeden Song komplett eigen zu gestalten. Da sind ein paar Synthie-Nummern drauf und ein paar sehr warme, soulige Sachen.

Malte
Die meisten Sachen sind auf jeden Fall aus Synthies gekommen, wir haben dieses Mal kaum Samples verwendet.

Wer ist denn bei euch für die Beats zuständig?

Malte
Wir machen die alle zusammen, jeder hat da seine Aufgabe. Ich bin mehr der Einspiel-Typ, also ich spiele dann die Synthies ein. Wir machen das so, dass wir einen Beat machen, ich dann erst mal 20 Minuten dazu spiele und wir dann schauen, was geil darauf kommt. Wir haben dann das Grundgerüst, und dann hat einer oder haben alle zusammen eine Idee. Wir filtern uns gegenseitig, bis alle zufrieden sind.

Buddy
Wir haben ja mittlerweile zwei Studios, und insofern haben wir auch zwei Baustellen. Dann entstehen so viele Sachen, dass wir filtern können. Wir haben so viele Beats und so viele Layouts, die wir uns dann vorspielen und uns so gegenseitig hochschaukeln. Dann basteln wir an den Beats herum, bis wir auf einem gemeinsamen Nenner kommen. Wir haben auch schon sehr viele Beats verworfen - sehr viele gemacht und davon dann eben ausgesucht. Es herrscht eine gesunde Beatkonkurrenz zwischen den beiden Studios - ein gesundes Wachstum.

Aber live muss es schon dick kommen, oder?

Buddy
Sebi kann eben nicht anders - live ist es immer dick.

Wenn die Beats fertig sind, wie haltet ihr es mit dem Texte schreiben? Geht ihr zunächst von einer Hook aus und schreibt dann die Strophen oder wie muss man sich das vorstellen?

Buddy
Das Grundgerüst entsteht im Studio - also der Chorus - und da bauen wir dann rum. Wir haben immer auf Refrains aufgebaut. Das einzige Mal, wo Malte zuerst mit einer Strophe ankam, ist aus dem Stück nichts geworden.

Sebi
Malte ist in der Band der einzige wirkliche Songwriter, der mit Gesang und Gitarre einen Song schreibt. Bei Deichkind ist es aber so, dass wir mehr von der elektronischen Seite ausgehen. Wir machen erst mal einen Beat, eine bestimmte Stimmung und fangen da mit dem Songwriting an. Wir machen zusammen einen Refrain, und die Rapstrophen schreibt natürlich jeder selbst auf den Refrain hin. So sieht das aus bei uns.

Wenn ihr dann im Studio seid und an einem Stück wie "Limit" arbeitet, stellt ihr euch dann auch manchmal vor, wie die Leute, denen so was überhaupt nicht gefällt, kotzen und sich darüber aufregen werden?

Sebi
Ich glaube, es ist wichtig für uns, zu polarisieren. Wir machen einen Song, den wir richtig geil finden. Wenn du versuchst, einen Song zu machen, den alle geil finden, dann wird der langweilig, weil es nichts Besonderes ist. Wir versuchen, Songs mit Druck zu machen, die in eine bestimmte Richtung gehen und die eben die Leute geil finden, die verstehen, um was es da geht.

Buddy
Wir gehen nicht so ran, dass wir versuchen, polarisierend zu sein. Das entsteht eher so, dass wir uns frei machen und dann Musik so machen, wie wir denken, dass es richtig ist. Am Ende stehen wir da und denken uns, dass das sicher ganz schön splitten wird.

Sebi
Gerade bei "Limit" war das so eine Sache. Wir hatten erst eine andere Version, die uns nicht doll genug war. Das einzige, was wir uns für die Platte vorgenommen hatten, war, dass es eine dolle, laute, derbe Platte werden soll. Bei "Limit" waren wir am Anfang nicht ganz zufrieden und haben dann in zehn oder 15 Minuten noch mal eine Version gemacht, die es dann letztendlich geworden ist. Wenn man das Ding gerade fühlt und die Idee frisch ist, dann geht das im Endeffekt total schnell. Wir sind dann auch so drauf, dass wir das dann behalten und nicht noch mal daran herumdoktern.

Als ich das Stück zum ersten Mal im Radio gehört habe, war ich mir eigentlich sicher, dass die Leute "Limit" entweder völlig lieben oder abgrundtief hassen werden...

Sebi
Das kann sein, aber bis jetzt ist die Hass-Seite nicht so ans Tageslicht getreten - das kann ich nicht bestätigen.

Malte
Nee, die trauen sich dann auch nicht.

Philipp
Gestern in Stuttgart kam einer zu mir und meinte: "Also, das Konzert fand ich nicht so geil." Dann wollte ich wissen, wieso das so wäre und ob er schlechte Laune gehabt hätte oder so. Daraufhin sagte er: "Nein, ihr habt nur neue Sachen gespielt und keine alten." Das fand ich sehr ehrlich von dem Typen, und das passiert ziemlich selten, dass Leute nach dem Konzert auf einen zukommen und sagen: "Jungchen, das fand ich nicht gut von euch."

Buddy
Grundsätzlich glaube ich, dass Deichkind schon für so eine Polarisierung steht. Deichkind an sich bietet halt so viel Plattform, dass es vieles gibt, wo Leute erst sagen: "Bäh, damit kann ich gar nichts anfangen, pfui!", aber dann wiederum auf irgendwas stoßen, wo sie sagen "Yeah, das ist genau das, was ich gut finde." Später ist man dann vielleicht wieder enttäuscht - es bietet eben ziemlich viel mittlerweile. Das Album ist die komplette Bandbreite: Von Rock bis Country zu Neo-Kram ist alles dabei. Man muss nur selbst ein Schema finden, wie man sich zurechtskippt - dann findet man schon das, was man sucht.

Wer von euch hatte denn die Idee zu "Im Untergrund zu Haus"?

Buddy
Das ist keine Idee, das ist ein Freestyle - das passiert einfach. Malte hat sich freigemacht und erzählt mal am besten selbst, wie das entstanden ist.

Malte
Ich habe ein kleines Keyboard genommen, mit dem man samplen kann, und das hört sich dann komisch an. Damit hab ich dann alle Sounds gemacht und dann gefreestyled, während ich den Beat gespielt habe. Ich habe mich dazu in zwei Leute reinversetzt, die uns hassen.

Für mich hörte sich das genau so an wie Stücke, die man auf Plattformen wie Besonic oder Virtual Volume von irgendwelchen Möchtegerns herunterladen kann, und daher dachte ich zunächst, ihr hättet da nach Leuten gesucht, die euch dissen, um die dann auf den Arm zu nehmen.

Malte
Viele Leute haben auch schon gedacht, dass das die Antwort auf den Diss von Kool Savas ist. Aber das ist nicht so, das ist einfach x-beliebiger Shit und hört sich auch überhaupt nicht wie Kool Savas an - sollte es auch überhaupt nicht. Ich habe mich einfach in zwei unbekannte Künstler reinversetzt, die es genießen, nicht bekannt zu sein und uns hassen.

Buddy
Das ist unabhängig davon entstanden. Aus Fun heraus. Im Nachhinein ist es uns auch aufgefallen, dass es auf jeden Fall ziemlich viele Musiker aus Deutschland widerspiegelt.

Hat denn der allseits bekannte Diss von Kool Savas eure Kindheit negativ beeinflusst und so spätere psychische Schäden bewirkt? Oder habt ihr einfach nur darüber gelacht?

Buddy
Wir haben auf jeden Fall als erstes darüber gelacht und dann darüber geredet. Im Endeffekt war es uns egal - mir hat es keinen Kummer bereitet. Aus einer Anmache wie "Du und Deichkind habt eins gemeinsam und zwar Scheiße" kann ich nichts ziehen.

Philipp
Ich ärgere mich nicht wirklich darüber. Ich finde es grundsätzlich fragwürdig, sich in der Musik so Feindbilder zu suchen - das finde ich irgendwie hohl. Es gibt schlimmere Leute als Leute wie uns, die Musik machen, - da kann man sagen: "Das ist nicht mein Geschmack." Auf so `ne ätzende Tour zu kommen tut nicht Not.

Buddy
Außerdem hat sich das jetzt dahin entwickelt, dass beim deutschen Nachäffen der Ami-Battle-Kultur die Musik an sich in den Hintergrund gerückt ist. Weil das jetzt im Vordergrund steht, hat sich das totgelaufen, weil keiner meckernde 16-Jährige im Fernsehen sehen will, die sich nur auskotzen und denken, das ist dann musikalisch reizvoll. Wenn irgendeiner hochfrequenzig mit einem Piepston in der Stimme, der dir auf Dauer auf die Eier geht, loskotzt und alle über'n Haufen zieht und die Musik dabei vergisst.

Malte
HipHop an sich ist natürlich eine Plattform für Leute, die mit Musik nicht viel zu tun haben. Das ist so wie früher Hausmusik, wenn der Vater Klavier gespielt hat und das Kind dazu Blockflöte gespielt hat. Sich einfach ausdrücken ist auf jeden Fall okay, aber man muss auch auschecken, dass es Leute gibt, die geile Musik machen können und die man zu respektieren hat. Alle können mitmachen und ich diss jetzt den und den, das ist irgendwie alles so pubertär, finde ich.

Philipp
Ja klar, HipHop ist ja auch pubertäre Musik und das wissen natürlich auch viele. Es ist ja nicht nur KKS, sondern im Grunde genommen ist es eine ganze Szene, in der Kids rumstehen und sich ein Bild machen. Das ist auch ganz normal, dass man sagt "Die find ich geil und die find ich scheiße". Damit muss man als Band wie wir einfach klar kommen, dass es Leute gibt, die das scheiße finden. Gerade wenn wir auf Jams sind, wo wir mit anderen Bands auftreten, kommen Leute, die nur für eine andere Band da sind, und die sehen uns dann und finden das scheiße. Wir merken gerade bei den Konzerten, die wir jetzt für unser zweites Album machen, dass das ganz andere Leute als bei der ersten Tour sind. Die sind viel älter, lockerer und genießen es, Party zu machen, und sind nicht gestresst.

Malte
Wir haben mit der HipHop-Szene auch nichts zu tun, eigentlich interessiert uns das überhaupt nicht, ob jetzt einer sagt, wir sind scheiße oder nicht. Das sind meistens sowieso irgendwelche Leute, die ich nie kennen lernen wollen würde. Da muss ich nur ins Jugendzentrum, um solche Leute kennen zu lernen. Mit 16 war ich glaube ich auch so drauf, aber irgendwann wird man älter. Wir machen einfach Musik - und das machen wir so, wie wir Bock haben, und so, wie wir uns anhören. Die Leute mögen das, und dann ist das halt so, dass man auch mal aus Versehen berühmt wird.

Buddy
Ich meinte gerade zu Sebi, dass es verwunderlich ist, was zwei Jahre ausmachen können. In dieser Zeit hat es sich mit HipHop in die Richtung entwickelt, dass es sich gespalten hat. Die ganzen Leute, die überflüssig waren oder im Nachhinein aus dem Boden geschossen sind, sind jetzt wieder untergegangen, und auch im Fernsehen ist aus der Musikrichtung viel weniger zu sehen. Das bringt es mit sich, dass jetzt wirklich auch Leute auf Konzerte gehen, die wirklich Bock haben, auf ein Konzert von einer Band zu gehen. Nicht dieses "Mixery Battle"-Ding auf eine Jam zu gehen, wo sich die Leute gegenseitig ankacken. Sondern Musik, für die man bezahlt hat, wo man Bock drauf hat, weil einem das Album gefällt und man gerne die Live-Version davon hören möchte. Das ist eine gute Entwicklung. Wir sind jetzt drei Tage auf Tour, und es waren echt noch keine Fubu-Monster oder Typen mit Bandanas am Start. In Frankfurt dachten wir, dass eher die Chance besteht, dass das ein Konzert wird, wo wir angemacht werden oder die Leute reinkommen und "Freestyle" schreien.

Das stimmt. Das ist uns auch aufgefallen, dass heute Abend ein ganzes anderes Publikum da war als sonst...

Philipp
Ich muss dazu sagen, dass wir schon sechs Mal in Berlin aufgetreten sind und da grundsätzlich gute Konzerte hatten, obwohl man ja denkt, Berlin wäre so eine harte Stadt. Es filtert sich einfach raus. Wenn wir alleine irgendwo auftreten, dann kommen auch wirklich die Leute, die uns sehen wollen, und nicht, weil wir mit zwei anderen Bands auftreten, wo alle kommen, weil es HipHop ist. 2000 war so ein Hype, wo alle auf deutschen HipHop abgeflasht haben, und dann sind alle Leute zu allen Konzerten gegangen.

Malte
Das war auch egal, wer da aufgetreten ist. Das war immer so, dass wir gespielt haben und vor uns 400 16-Jährige so gemacht haben... ("Das sieht man jetzt nicht, Malte!" - "Ihr könnt ja dann im Interview schreiben, dass ich meinen Kopf bewegt und die Hand geschüttelt habe..."). Das war fürchterlich, weil sich da keine Individualität herauskristallisiert hat. Ich finde, das ist ein ganz schrecklicher Zustand.

Philipp
Ich glaube, das ist so eine Entwicklung, die eine Band auch durchmacht. Wir sind eigentlich livemäßig 2000 in der HipHop-Szene groß geworden. Das war ein Jahr, wo wir mit vielen Bands zusammen aufgetreten sind - das war ein Mischmasch von Leuten. Es war auf jeden Fall eine gute Zeit, aber jetzt ist das besser für uns, weil jetzt sind es Konzerte, und es kommen die Leute, die uns wirklich wollen.

Malte parodiert weiterhin zur allgemeinen Erheiterung irgendwelche HipHopper

Habt ihr den Eindruck, dass viele HipHopper ein Problem mit Ironie haben und nicht verstehen können, wie man sich - wir ihr - auch mal selbst auf den Arm nehmen kann?

Malte
Es gibt Leute, die sind intelligent genug, um sich da loszulösen. Bei anderen macht es keinen Unterschied, ob sie Indianer oder Musikfans sind.

Buddy
Es gibt gefühlsarme Mongos und intelligente Mongos - das sind zwei verschiedene Welten. Es gibt auch den Mathestreber, der sich nicht wirklich gefühlsmäßig ausdrücken kann.

Malte
Das ist keine wirkliche Intelligenz - es gibt auch Autisten.

Buddy
Es gibt auch emotionale Intelligenz und das heißt, dass Leute ihren Gedanken und Gefühlen Ausdruck verleihen können und es aus verschiedenen Sichtweisen sehen können.

Malte
Genau dem wollte ich gerade Ausdruck verleihen.

Buddy
Ja und nu?

Malte
Keine Mathematikstudenten auf unseren Konzerten - wir wollen die True Players! Yeah, yoyo, pusch ´em up, fuck everything, you know!

Philipp
Und was ich auch ganz interessant finde: Ich lese gerade ein Buch, das "Verschwende deine Jugend" heißt. Da geht's um die deutsche Punkszene 76 bis 83, und da ist genau das gleiche. Da sind einige Leute, die das richtig ernst nehmen und gegen alles sind. Und es gab auch Punks, die das einfach lustig fanden, Leute zu provozieren und darüber gelacht haben, Punk zu sein. Das ist bei HipHop genau das gleiche. Da gibt es Leute, die das bierernst nehmen und sagen: "Der Freestyle muss derbe sitzen und die Doppelreime müssen runtergerattert werden." Aber es gibt auch Leute, die lachen, während sie im Studio sind.

Malte
Ich finde nichts gruseliger - naja Gespenster sind auf jeden Fall auch gruselig und Poltergeister und schwarze Messen mit schwarzen Kapuzen - aber am unheimlichsten finde ich immer noch Leute, die keinen Humor haben. Das ist schrecklich. Wenn Leute keinen Humor haben, ist irgendwas falsch gelaufen, irgendwas stimmt da einfach nicht.

Buddy
Es gibt verschiedene Ebenen von diesem Scheißhumor. Es gibt Snoop Doggy Dogg und der sieht die Sicht der Dinge so, wie er die Dinge in seinem Umfeld gelernt hat. Es gibt DJ Phono, der in seinem Keller in der Schanze sitzt und seinen Film fährt. Alle Individuen haben eine andere Sicht der Dinge und versuchen trotzdem, darüber zu stehen. Auch wenn die Miete nicht reinkommt oder wenn es irgendwie Probleme mit Schill gibt, schaffen die es, das smooth sehen.

Sebi
Snoop Doggy Dogg und Phil Collins.

Buddy
Ja, ich glaube, Phil Collins ist auch ein Beispiel, auf jeden Fall. Obwohl ich glaube, der schmunzelt auch zu Hause.

Malte
Ich habe letztens eine Kollektion von allen Plattencovern von Marius Müller-Westernhagen gesehen, und der zieht immer die gleiche Fresse. Der hat 25 Alben oder so gemacht und überall guckt er wie Marius Müller-Westernhagen.

Buddy
Es gibt halt Leute im Biz, die sich viel zu ernst nehmen, und da zähle ich mich nicht dazu.

Ok. Kommen wir mal zurück zu "Limit". Wer hatte denn die Idee zu diesem abgedrehten Video?

Sebi
Das Video zu "Limit" hat sich Niclas Weise zusammen mit Alexander Eckard ausgedacht. Der eine macht Werbefilme und der andere ist Berliner, der hauptsächlich Musikvideos macht. Die haben sich das zusammen ausgedacht und uns irgendwann vorgetragen. Normalerweise läuft das bei einer Plattenfirma so, dass man ein Lied hat und die sagen, dass sie da jetzt ein Video zu machen wollen. Dann fragen die zehn Leute, die dazu eine tolle Story schreiben, die sich alle gut anhören, und dann macht man eine von den Stories und weiß eigentlich gar nicht, auf was man sich da einlässt. Niclas hat seit "Kabeljau Inferno" alle Videos gemacht und deshalb haben wir - nachdem "Limit" fertig war - ihm das gezeigt und er war begeistert, und da haben wir uns gedacht "Never change a winning team".

Wieso habt ihr entschieden, "Limit" als erste Single auszukoppeln?

Sebi
Irgendwann kommt ja die Frage der Plattenfirma, was die erste Single sein soll. Da haben alle "Limit" gesagt und das war dann irgendwie klar. Wenn alle spontan "Limit" sagen, überlegt man natürlich, was man noch machen könnte. Wir haben dann zwei oder drei Tage reflektiert und uns Gedanken gemacht und fanden, dass das die Nummer war, die am meisten doll anders ist als andere Musik. Eigenständig, schnell, nach vorne gehend, doll - deshalb haben wir die gewählt, weil das ein Powersong ist.

Auf dem Album gibt es ja das Stück "Geheimnis", in dem ihr partout nicht das Geheimnis eures Erfolges verraten wollt. Würdet ihr es uns jetzt im Interview vielleicht doch erzählen?

Sebi
Dann wär's ja kein Geheimnis mehr. Du musst mal David Copperfield fragen, ob er dir erzählt, wie er die Frauen zersägt - das gibt's nicht.

Malte
Das Geheimnis von uns ist, dass wir Frauen zersägen. Jeden Abend zersägen wir Frauen im "Goldenen Handschuh" auf dem Kiez im Backstageraum.

Alle lachen über Maltes Geheimnis

Malte
Sonst haben wir keine Geheimnisse - nur vor unseren Freundinnen, wenn wir nach der Tour wieder kommen. Dann haben wir Geheimnisse. Wir sagen denen nie, was wir da machen, auf dem Zimmer. Wieso die Bettlaken alle so durchgerostet aussehen.

Auf der Platte gibt es eigentlich nur humorvolle Stücke. Hattet ihr keine Lust mehr, ein Stück wie "Weit weg" zu machen?

Malte
Ich muss mal dazu sagen, dass wir sind auf jeden Fall ernsthaft sind - darüber haben wir neulich schon diskutiert. Aber so was Deepes passt im Moment nicht zu dieser Crew. Wenn wir Solo-Platten machen, dann kann ich mir das vorstellen, dass wir auf jeden Fall wieder deeper werden. Wir haben den Grundsatz gehabt, eine richtige Club-Platte, wo richtig Pfeffer drinnen ist, zu machen. Wir machen jetzt einfach Party und scheren uns nicht um die Sorgen und Probleme. All die Sorgen verschieben wir auf morgen, Henninger Bräu, Henninger Bräu (singt).

Sebi
Wenn es ernsthafte Sachen gibt, dann finden die auf jeden Fall zwischen den Zeilen statt - das ist bei uns wichtig, dass es positiv verpackt ist. Es sollte keine Klageplatte werden, eher eine Motivationsplatte auf jeden Fall.

Buddy
Das wünsche ich mir auch mehr in Deutschland.

Sebi
Motivation, Innovation, Power, nach vorne.

Malte
Deepness wünsche ich mir auch manchmal.

Philipp
Ja, Deepness ist wichtig, aber Herbert Grönemeyer hat das ja auch hingekriegt.

Buddy
Ohne Frage, aber die Deepness, die ich vorfinde, gibt mir nicht viel.

Wieso nicht?

Buddy
Warum? Soll ich jetzt Beispiele bringen? Ich will jetzt auch nicht über jemanden herziehen, aber es gibt viele, die sich so ernst nehmen, dass sie glauben, ihr Gefühl ist untoppable und das Maß aller Dinge. Im Endeffekt bedrücken sie mich nur und begrenzen meine kreativen Ausflüsse, weil ich dann im Bann dieses Emotionsgeflechts gefangen bin und da sitze und denke: "Scheiße, was will er mir denn sagen?"

Malte, du hast es eben selbst angesprochen: Willst du wirklich eine Solo-Platte machen?

Malte
Ich mach eine Country-Platte und die wird auf jeden Fall sehr deep - der Mann mit der Gitarre und seinem Leid. Ich kann mit einer Gitarre zusammen besser als auf programmierten Beats leiden - da fällt mir das leichter. Ich bin auf jeden Fall konkret am Arbeiten.

Was auch auffällt, ist, dass es auf dem Album keine Features gibt? Warum nicht?

Malte
Wir vier sind auf jeden Fall alleine auf der Platte, aber wir haben einen Gastmusiker, der nicht als Feature da steht. Das ist Lucius, der Fiedler von Truck Stop. Wir haben eine Country-Nummer drauf, die "Da, wo" heißt und da spielt er ein Fiedel-Solo.

Buddy
Er ist der Sänger und der Geigenfiedler von Truck Stop zugleich. Malte hat die Drums auf Gummi-Pads gespielt und ich habe die Sounds verfeinert und ausgetauscht. Malte hat noch Gitarre, Bass und Okulele gespielt. Er hat außerdem die Hauptstimme gesungen, die wir zusammen geschrieben haben, und die zweite Stimme habe ich gesungen. Lucius hat da dann noch sein Geigensolo drauf gebracht. Leider war die Zeit und die Ruhe nicht, da noch das Banjo-Feeling darauf zu bringen, weil ein Kumpel von mir noch Banjo spielen wollte. Aber das hat nicht mehr geklappt. Dafür haben wir den ersten dopejointmäßig performten Okulelen-Take genommen.

Philipp
"La Playa" - so was ist zum Beispiel ein Traum von uns und Truck Stop haben ja auch...

Malte
Das ist auf jeden Fall real - "La Playa" ist möglich!

Philipp
Nein, pass auf - als Beispiel: Truck Stop haben einen Song, da haben sie als Traum, dass der Truckfahrer auf der Autobahn fährt und neben ihm eine nackte Frau, die nur mit einem Gurt bekleidet ist, sitzt. Das ist trotzdem irgendwie real.

Malte
Das sind so Filme, schöne Träume. "La Playa" könnte wahr sein. Truck Stop mit der nackten Frau könnte auf jeden Fall auch wahr sein, aber darum geht's eigentlich gar nicht, glaube ich.

Buddy
Das sind nicht nur Parkplatz-Phantasien - im Osten ist das möglich!

Philipp
Während man den Song hört, ist es wahr - da ist das Realität im Raum.

Malte
Ich habe übrigens neulich Jet-Skis in der Elbe gesehen, ohne Scheiß. Ich habe vor einem Monat, als es so heiß war, einen Typen mit ´nem Jet-Ski gesehen. Ich war am Falkensteiner Ufer und da habe ich mich über ein Geräusch gewundert, und da war das ein Typ mit einem lilafarbenen Jet-Ski, der da abgestyled hat. Echt heftig. Der hatte einen Neoporen-Anzug an auf dem Jet-Ski.

Cool. Nette Anekdote. Aber noch mal zurück zu den Features: Hattet ihr denn keine Kumpels, die ihr noch gerne auf dem Album gehabt hättet?

Malte
Wir haben Lucius gefragt, ob wir noch andere Features nehmen sollen und er meinte, wir sollen das lassen. "Ich mache das mit meiner Fiedel, wenn ihr noch jemanden braucht, komme ich noch mal vorbei." Nee - das war jetzt nicht wirklich beabsichtigt, da hat sich einfach nichts ergeben, und zum Schluss fanden wir es auch gut, dass wir kein Feature haben. Zu der Musik hätte auch kein anderer gepasst als wir. Natürlich haben wir Freunde, aber die halten sich aus der Musik raus. Aber ich werde jetzt etwas preisgeben: Im Intro ist ein Stadion mit drauf: Jesen, Johanna, Sandy, Sebi... Aber ich bin der Leadsänger, Leute, okay? Ich bin der Leadsänger und ich spiele die Terzgitarren und das Piano, die Drums und den Bass. Okay, ich gebe zu, dass ich ohne das Stadion ein Scheiß wäre, aber das ist fest. Nur ein Journalist hat erkannt, dass das Terzgitarren waren, und ich sage Smokie sind Götter, Leute.

An dieser Stelle kommt dann Jan Schlüter ("dem Deichkind sein Manager") ins Spiel: Ok, Leute, wir müssen jetzt mal abhauen...

Gut. Noch ein obligatorisches Schlusswort?

Malte
Oben kurz, hinten lang, oh mein Gott, das ist verdammt derbe geil, wir wollen mehr, gebt uns mehr vom Smokie-Flair.

  


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