News
 Reviews
 Interviews
 Features
 Output
 Forum
 Newsletter 
   
 
Neues - Eventberichte - Artist-Reports - Specials

Shiml - "Hinterm Horizont"

Nach etlichen Internet-Alben findet mit "Hinterm Horizont" das erste Album des Rappers und Produzenten Shiml den Weg in die Plattenregale. Er ist ein weiterer "Newcomer" von Selfmade Records, dem Label, das in letzter Zeit schon mit den beiden Nachwuchshoffnungen Favorite und Kollegah auf sich aufmerksam machen konnten. Wie viel Aufmerksamkeit der junge Mann durch seine Internet-Action auf sich ziehen konnte, belegt die Tatsache, dass das Kontingent an Shiml-Alben, das im Selfmade Records-Shop zur Vorbestellung bereitgestellt worden war, innerhalb von 24 Stunden ausverkauft war. Der 21-jährige aus Bremen zeichnet sich vor allem durch seine dunklen, atmosphärischen Songs und einen lyrisch detaillierten und metaphorischen Stil aus. Für die Produktionen waren neben Shiml auch Rizbo und Flipstar sowie Shimls Kollege MixChris verantwortlich, der das Album darüber hinaus gemischt und gemastert hat. Features kommen vom Label-Boss Slick One und Flipstar sowie von den Bremern MontanaMax und Pxxpmatz. Wir haben uns mit Shiml über sein CD-Debüt unterhalten. Außerdem könnt ihr euch das Split-Video anschauen und das Album-Snippet herunterladen. Auf der Webseite www.selfmade-records.de gibt es übrigens alle weiteren Informationen rund um Shiml.


Tracklisting, Snippet und Video

01. Intro
02. Bis ans Limit
03. Pechschwarz
04. Zieh mich hoch
05. Kein Morgen feat. Flipstar & Slick One
06. Meine Geschichte
07. Druckbetankung
08. Asche und Staub
09. Prelude
10. Apokalypse
11. Die Straße brennt
12. Schwarzlicht
13. Außer uns feat. Montana Max
14. Soweit Du kannst
15. Aus der Brust
16. Hauptrolle feat. Pxxpmatz
17. Hinterm Horizont
18. Outro


<< Shoutout >>

Snippet:
>>"Hinterm Horizont"<<
Video:
>>"Bis ans... / Meine Geschichte"<<



Interview

Shiml, zu Beginn würde ich gerne ein paar Dinge über deine musikalische Laufbahn erfahren und möchte wissen, was sich hinter deinem ungewöhnlichen Künstlernamen verbirgt.

Ich habe 1999 in Eigenregie angefangen zu rappen und zu produzieren. Nach ein paar Jahren veröffentlichte ich mit meinen Bremer Jungs das Kollabo-Album "Gönn dir anhören". Die darauf folgenden Solo-Alben und die Kollabo mit MontanaMax und Chris sorgten im Internet für einiges Aufsehen, und dadurch kam die ganze Geschichte eigentlich erst so richtig ins Rollen. Seit einem halben Jahr bin ich bei Selfmade Records unter Vertrag und habe gerade mein neues Album veröffentlicht. Der Name Shiml entstand bei einem Battle und wurde mir zunächst nur als Spitzname angehängt. Jeder Versuch, ihn im Laufe der Zeit abzulegen, schlug allerdings fehl. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, und ich finde ihn cool.

Dein neues Album heißt "Hinterm Horizont". Was hat es mit dem Titel auf sich und welche Bedeutung würdest du ihm beimessen?

Zunächst bin ich der Meinung, mit diesem Album einen Punkt erreicht zu haben, von dem ich noch vor einem halben Jahr sehr weit entfernt war. Außerdem denke ich, dass das Album etwas Neues mit sich bringt, das noch niemand wirklich gemacht hat. Ich persönlich habe oft bis in die Morgenstunden am Album gearbeitet und stand oft bis zum Tagesanbruch vor dem Mikrofon. So bin ich auch auf den Track "Hinterm Horizont" gekommen und habe später beschlossen, das Album so zu taufen.

Du hast ja bereits zwei Alben im Internet veröffentlicht. Mich würde interessieren, wie du dein neues Album im Vergleich mit deinen alten Alben siehst. Was hat sich, abgesehen davon, dass du jetzt auf Selfmade Records veröffentlichst und dadurch professionelle Möglichkeiten hast, für dich und deine Musik geändert?

Ich bin auf jeden Fall ein ganzes Stück reifer geworden. Stumpfer Battle-Rap hat für mich im Laufe der Zeit immer mehr an Reiz verloren, und ich habe versucht, die Dinge auf eine andere Art und Weise zu verpacken. Ich würde schon sagen, dass ich neue Stile und Richtungen ausprobiert habe, und ich habe während der Arbeiten am Album gemerkt, wie viele Möglichkeiten man noch ausschöpfen kann.

Kommen wir zu einigen Songs. Die beiden Tracks "Bis ans Limit" und "Meine Geschichte" wurden ja nicht umsonst als Videotracks ausgewählt. Sie sind nicht nur mit die besten Songs des neuen Albums, sie spiegeln auch deine beiden Seiten wieder: mämlich einerseits das Dunkle, Düstere, Mysteriöse, das ja charakteristisch für deine Musik ist, und auf der anderen Seite die Battle-Tracks beziehungsweise Representer. Das Video zu den beiden Songs ist meiner Meinung nach sehr gelungen, wie lief der Videodreh ab und wer hat ihn geführt?

Genau um diese zwei verschiedenen Seiten zu verdeutlichen, haben wir auch ein Split-Video gewählt. Hätten wir "Meine Geschichte" alleine genommen, hätte ich auch das Gefühl gehabt, dass irgendetwas fehlt, um das Bild perfekt zu machen. Nachdem wir also die Songs ausgesucht hatten, haben wir uns mit dem Regisseur an einen Tisch gesetzt und nach Mitteln gesucht, diesen Kontrast auch im Video deutlich zu machen. Also fuhren die Jungs hoch zu mir nach Bremen, und wir haben den Streifen an einem Tag runtergedreht.

Bei den Tracks "Soweit du kannst" und "Hauptrolle" hast du dich an richtigen Themen-Songs versucht. Für mich ist besonders der erste Track mit den vielen Vogel-Metaphern etwas erfrischend Anderes, verglichen mit dem Rest des Albums. Hast du bewusst versucht, diese neue Thematik auf deinem Album unterzubringen oder war das einfach eine Weiterentwicklung?

Ich arbeite sehr gerne mit Metaphern. Wenn man will, ist eigentlich der komplette Track eine Metapher und spiegelt zwei Seiten wider: Auf der einen Seite hat er Battle-Lyrics als Oberfläche, doch wenn man darunter guckt, findet man hinter jedem Satz eine ganz andere Bedeutung, und oft erkennt man in einem Satz, der einen beleidigenden Wortlaut hat, eine ganz andere Aussage. Ich denke, "So weit du kannst" ist eine gute Abwechslung und bietet ganz neue Stilmittel, um etwas zu verpacken.

Der Weltuntergangs-Track "Apokalypse", für den du auch den Beat selbst beigesteuert hast, ist für mich ein typischer Shiml-Track, da die ganze Thematik und das Instrumental einfach ideal für deine Stimme sind. Dennoch interessiert es mich, wie du auf die Idee kamst, diesen Track zu machen.

Als ich den Beat fertig hatte, war für mich bereits klar, was für ein Text darauf gehört, und ich hatte den Track bereits fertig im Ohr. Mir hat es total Spaß gemacht, in verschiedenen Thematiken Aussagen zu verpacken und auszudrücken, und ich denke, wenn man den Track hört, kann man die Handlung regelrecht spüren.

Du bist ja nicht nur Rapper, sondern auch Produzent. Auf deinem neuen Album hast du nur relativ wenige Tracks selbst produziert, verglichen mit den alten Alben, was ja verständlich ist, wenn man von erstklassigen Produzenten wie Rizbo oder Flipstar Beats picken kann. Besonders auf Tracks wie dem von Rizbo produzierten "Zieh mich hoch" zeigt sich, wie viel dir die neuen Produzenten bringen. Das ist meiner Meinung nach der beste Track des Albums, schon alleine auf Grund des extrem pumpenden Beats. Legst du viel Wert darauf, auch Produzent zu sein und willst du das weiter betreiben, oder begnügst du dich in Zukunft mit der Rolle des Rappers?

Auf keinen Fall. Ich hatte während der Produktion meines Albums viele Dinge zu erledigen und war sehr froh, dass Leute wie MixChris mir zeitaufwändige Aufgaben abgenommen haben. Ich denke auch, verschiedene Produzenten bringen nochmals eine gewisse Abwechslung in das Album, jedoch werde ich bei meinen nächsten Projekten wieder viel selbst produzieren.

Was denkst du macht deine Musik aus und wie würdest du deine einige Musik selbst beschreiben? Gibt es bestimmte Dinge, die dir bei der Produktion eines Albums wichtig sind? Machst du dir beispielsweise im Voraus Gedanken darüber, wie du dein Album aufbauen möchtest, oder entstehen einfach nach und nach Songs, und du wählst dann die besten aus?

Ich denke, dass sich ein roter Faden durch die meisten meiner Songs zieht. Ich setze mich vielleicht am Anfang eines Albums hin und überlege, in welche Richtung ich gehen will, jedoch plane ich nicht jeden Track im Voraus. Die Alben entwickeln sich meist im Laufe der Arbeiten, da ich oft auf neue Ideen komme oder mir Mittel einfallen, die ich schon immer einmal ausprobieren wollte. Ich experimentiere generell gerne.

Im Intro rappst du: "Ich brauchte nie irgendjemanden, der mir Halt gibt, weil der Alltag kalt ist und dich vergewaltigt." Deine Musik ist ja generell sehr düster und traurig. Bist du eher Einzelgänger? Beim Hören deiner Songs bekomme ich zumindest manchmal diesen Eindruck, dass du auch versuchst, negative persönliche Erlebnisse in deiner Musik zu verarbeiten. Sehe ich das richtig? Welche Dinge inspirieren dich generell zum Schreiben, und bist du eher jemand, der sich ins Studio setzt und einen Text runterschreibt, oder lässt du dir Zeit und feilst an einem Text, bis du damit zufrieden bist?

Das ist, denke ich, immer unterschiedlich. Manchmal komme ich rein zufällig auf einen Gedanken und überlege mir dann, wie ich ihn in einem Lied umsetzen könnte. Manchmal fange ich einfach an, zu schreiben, und gucke dann, wie sich das Lied so entwickelt. Der Alltag, Probleme und meine persönliche Einstellung nehmen dabei ständig Einfluss auf die Texte, egal was ich schreibe, denke ich. Ich würde schon sagen, dass ich musikalisch gewissermaßen zum Einzelgänger geworden bin, und ich sehe mich mittlerweile auch als eigenständigen Musiker, der unabhängig von anderen denkt und sich entwickelt.

Welche Erwartungen hast du an dein Album? Machst du dir Gedanken, wie die Leute es aufnehmen werden und wie erfolgreich es wird, oder eher nicht?

Ich habe eigentlich keine Bedenken. Mir gefällt das Album, und das ist in erster Linie das Wichtigste. Ich weiß, dass viele es kritisieren werden, aber ich denke auch, dass sehr viele Leute das Album mögen und mich unterstützen werden. Ich messe Erfolg auch nicht unbedingt an Verkaufs- oder Downloadzahlen.

Wie gehst du generell mit Kritik um? Einige werfen dir ja vor, deine Songs würden sich zu sehr ähneln und dass du oft "Nicht-Reime" in deinen Songs hast. Lässt dich das kalt oder denkst du darüber nach, solche Dinge in Zukunft zu verändern?

Auf keinen Fall. Konstruktive Kritik nutze ich, um mich selbst auf mögliche Fehler oder Lücken aufmerksam zu machen. Ich bin mir durchaus bewusst, wie ich meine Texte schreibe und benutze oft bewusst Assonanzen oder andere Mittel. In Endeffekt hört es sich trotzdem gut an. Wo steht geschrieben, dass man nur reine Reime benutzten darf? Es gibt in Deutschland schon genug Rapper, die sich irgendwelche billigen Doppelreime ausdenken, zwei mehr oder weniger passende Sätze ranhängen und so ihre Texte runterschreiben. Es fehlt Mut, etwas Neues auszuprobieren, und genau das versuche ich. Leute, die sich an diesem miserablen Deutschrap festklemmen, sollen meinetwegen glücklich werden.

Wie siehst du die deutsche Rapszene im Jahr 2006? Verfolgst du die Entwicklung überhaupt und hörst dir neue Alben an oder lässt dich das eher kalt?

Nehmen wir einmal an, Da Vinci würde einen Tag leben und wäre bei mir zu Besuch. Wir würden ein bisschen was trinken und ich würde irgendwann anfangen, eine Leinwand mit Hundescheiße zu beschmeißen. Natürlich würde ich mir dieses Kunstwerk danach von Da Vinci signieren lassen. Ich wette, irgendwelche Kunsthistoriker würden Millionen dafür bezahlen. Und so ähnlich ist es heutzutage im Rap-Business. Es wird viel zu sehr auf Image und Stempel geguckt, wobei das Wichtigste, die Musik, vernachlässigt wird. Kiddies stellen sich oft Deutschrap-Platten ins Regal, genauso wie irgendwelche Millionäre meine geworfene Hundescheiße an die Wand hängen würden, bloß weil ihnen irgendjemand sagt, dass es Stil hätte.

Mich interessiert auch, wie du deine Entwicklung in den nächsten Jahren siehst. Nicht nur in Sachen Texte, sondern auch in Sachen Beats und Atmosphäre. Inwieweit möchtest du dich weiterentwickeln? Willst du beispielsweise einfach mal neue Einflüsse ausprobieren oder kommt für dich so etwas eher nicht in Frage?

Wie ich mich entwickeln werde, kann ich nicht sagen, da ich auch nicht weiß, was so in den nächsten Jahren passieren wird. Ich werde auf jeden Fall viele neue Sachen ausprobieren und bin im Prinzip offen für Neues.

Bei Selfmade Records hast du ja mit Kollegah und Favorite zwei auch noch relativ junge Newcomer mit im Team. Deren Musik unterscheidet sich aber ziemlich von dem, was du machst. Was hältst du von dem, was sie machen?

Ich halte beide für sehr talentierte Musiker. Die beiden verfolgen ebenfalls eine eigene Richtlinie und bringen frischen Wind, ohne dabei auf andere zu achten. Und ich denke, genau das macht Selfmade Records zu einem sehr guten, zukunftsorientierten Label.

Welche Projekte von dir und Selfmade Records stehen nach deinem Album an und wann hat man die Möglichkeit, dich live zu sehen?

Nach meinem Album kommen zunächst Kollegahs neues Mixtape und danach das Favorite-Album. Anfang nächsten Jahres ist ein Selfmade-Sampler geplant, auf dem es natürlich auch viel von mir zu hören geben wird. Zwischenzeitlich werden viele Features kommen, und man wird viel von mir hören. Auftritte wird es auch viele geben. Am besten, ihr informiert euch auf der Homepage meines Labels www.selfmade-records.de oder im Selfmade-Forum.

Vielen Dank für das Interview. Das Schlusswort gehört dir.

Hört ins Album rein und unterstützt gute Musik, das ist besonders bei Independent Labels sehr wichtig!

Interview: Thomas

  


Content & Layout © 2000-2006 by allesreal.de // Impressum